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Klassik und Moderne: Videoproduktion am Mozarteum

Highslide JSDie weltberühmte Salzburger Musikuniversität Mozarteum hat ein mobiles Videoproduktionssystem eingeführt. Zentrale Systemkomponenten sind Panasonic-Camcorder, ein Live-Mischer und das LiveCut-Produktionssystem von ToolsOnAir.

Schon seit vielen Jahren archiviert das Mozarteum Aufzeichnungen aller wichtigen Vorspiele, Konzerte und Aufführungen. Dabei steht der Ton natürlich an oberster Stelle und schon sehr lange verfügt das Mozarteum auch über ein eigenes Tonstudio. Als Abteilungsleiter des Medienbereichs ist mit Peter Schmidt dementsprechend auch ein diplomierter Tonmeister für alle Aktivitäten des Mozarteums in diesem Sektor zuständig. über die Jahre kamen aber zum Ton- auch immer weitere Videoaktivitäten hinzu: Aufwändigere Konzertmitschnitte, aber etwa auch Videos mit denen sich Studierende des Mozarteums um die Teilnahme an internationalen Wettbewerben bewerben - die Auswahlkommissionen wollen heute auf einer DVD sehen, dass der Bewerber die eingereichte Aufnahme auch wirklich selbst spielt. Die Videoaufzeichnungen resultieren etwa auch aus einer Dokumentationspflicht, die sich unter kulturellen Aspekten aus dem Umgang mit den hoch talentierten jungen Künstlern ergibt, sowie auch aus der Verpflichtung gegenüber der Musikforschung. "Zum einen wird das aufgezeichnete Material für Forschungszwecke archiviert, zum anderen gibt es bei uns am Mozarteum auch ein eigenes Label und einen Shop, wo man DVDs von Aufführungen und Konzerten kaufen kann, künftig werden die Videos auch in HD online gehen", erläutert Christoph Feiel, stellvertretender Abteilungsleiter der AV-Abteilung. "Im Videobereich waren wir im Unterschied zum Audiobereich bis vor kurzem eher bescheiden ausgestattet", erläutert Christoph Feiel. "Wir setzten bei den Aufzeichnungen in der Regel zwei DVCAM-Camcorder ein und spielten anschließend das Material vom Band in Final Cut Pro ein, um es dort zu schneiden." Das war nicht nur technisch überholt sondern konnte mit der steigenden Nachfrage und den gewachsenen Ansprüchen nicht mehr mithalten. Zudem trat ein weiteres Problem auf: Der großen Menge an Veranstaltungen, die am Mozarteum stattfinden, war der Video-Workflow nicht gewachsen: Das Team kam mit der Postproduktion des Materials nicht nach. "Bei großen und anspruchsvollen Produktionen mussten wir zudem immer noch zusätzliche Kameras anmieten", so Feiel, und die Postproduktion wurde dann noch aufwändiger. Ein Programm, das die österreichische Landesregierung zur Förderung des Ausbildungsbereichs auflegte, bot schließlich die Chance, diese Probleme zu lösen und den Videobereich in zwei Schritten auszubauen. 2010 begann das Videoteam am Mozarteum mit den Planungen. "Wir wollten ein Produktionssystem realisieren, mit dem wir sehr viel schneller, aber auch viel flexibler arbeiten konnten", fasst Christoph Feiel die Eckpunkte zusammen. "Es war schnell klar, dass wir ein flexibles Produktionssystem in Flight-Cases brauchen, um an unseren diversen Spielorten jeweils rasch aufnahmebereit zu sein. Ergänzend sollte es eine fest installierte Archivierungslösung geben. Bei den Kameras war die grundlegende Anforderung, dass sie mit Bühnenlichtgestaltung, wie sie in der Oper eingesetzt wird, klarkommen mussten: Wir können bei den Aufführungen keinerlei zusätzliches Videolicht einsetzen. Im Gegenteil: Bei den Konzerten müssen wir quasi unsichtbar sein und dürfen weder die Künstler noch die Zuschauer stören. Und da wir uns meistens in Live- Produktionssituationen bewegen, muss beim ersten Mal alles passen, Wiederholungen gibt es nicht." Damit spricht Feiel einen weiteren wichtigen Aspekt an, der in der Planung berücksichtigt werden musste: Das verwendete Equipment, muss absolut zuverlässig funktionieren, Redundanzen sind erforderlich. Auf risikoreiche Lösungen konnte und wollte sich die Technikabteilung nicht einlassen. "Unter all diesen Prämissen war unser Budgetrahmen nicht gerade üppig dimensioniert, um so passgenauer mussten wir planen", resümiert Christoph Feiel. Was im Live-Bereich generell gilt, das gilt natürlich auch am Mozarteum: Keine Produktion ist wie die andere ? sonst hätte man ja auch kein flexibles System planen müssen. Deshalb gibt es immer wieder Abweichungen von dem Workflow, der im folgenden beschrieben ist, aber man kann dennoch von einem typischen Produktionsablauf sprechen. In der Regel werden die Mozarteum-Produktionen mit zwei bis vier Camcordern realisiert. Deren Signale werden intern auf Speicherkarten aufgezeichnet (AVC-Intra). Gleichzeitig liegen die Signale auch an einem Live-Mischer an. Die Kameras werden über eine CCU ferngesteuert und gematcht. Am Bildmischer wird nun wie bei einer Live-übertragung aus den vier Kamerasignalen ein Sendesignal gemischt. Der Mischer ist über die LiveCut-Software von ToolsOnAir mit einem Rechner und einem Speichersystem verbunden und dort wird ein Multikameraprojekt erzeugt, das dem Ausgangssignal des Mischers entspricht. Es werden also alle Kamerasignale separat in ProRes aufgezeichnet und es wird ein Final-Cut-Projekt angelegt, dessen Timeline exakt der Bildmischung entspricht, die während der Aufzeichnung am Videomischer erzeugt wurde. Das so entstandene Multikamera-Projekt kann dann nach Abschluss der Aufzeichnung in Final Cut Pro importiert und dort relativ schnell bereinigt und finalisiert werden. Die fertige Produktion wird dann ausgespielt, archiviert auf DVDs gebrannt und in Zukunft auch auf der Mozarteum-Website in HD bereitgestellt. "Ich hatte mir bei früheren IBCs schon das Live-Produktionssystem von ToolsOnAir angesehen und fand die Idee dahinter sehr gut. Die Art der Produktion und die Flexibilität des Systems kam unseren Vorstellungen, wie wir künftig produzieren wollen, sehr nahe", resümiert Christoph Feiel. Schließlich fiel die Entscheidung, auf dieses System zu setzen. Was ist das Besondere an LiveCut? Die grundlegende Arbeitsweise des software-basierten Mac-Produktionssystems besteht darin, dass man während der Produktion einer Veranstaltung über einen klassischen Mischer den Live-Schnitt mit mehreren Kameras vornimmt. Die LiveCut-Software erfasst diese Schnitte und überblendungen per GPI-Verbindung, gleichzeitig werden die einzelnen Kamera-Kanäle als Files aufgezeichnet. Oliver Deutsch, LiveCut-Produktmanager bei ToolsOnAir, erklärt weiter: "Die Schnittliste wird dann zusammen mit den Markern und allen eingegebenen Metadaten in eine XML-Datei gewandelt, mit den aufgezeichneten Files verknüpft und dann in ein Final-Cut-Projekt exportiert." Am Ende der Live-Produktion steht somit sofort ein Final-Cut-Projekt zur Verfügung, das den gesamten Live-Schnitt schon erfasst hat und somit direkt oder nach der Durchführung kleiner Korrekturen zeitnah auf DVD oder ein anderes Medium ausgegeben werden kann. Das Authoring der fertig verkaufbaren DVDs mit allen Grafiken und das Mastering auf DDP, wird ebenfalls von der Medienabteilung des Mozarteums realisiert. "Der Vorteil dieser Arbeitsweise besteht für uns darin, dass wir am Ende einer Show die Postproduktion fast schon erledigt haben. Man beginnt in der Nachbearbeitung nicht von Null, sondern hat ein schon annähernd fertiges Projekt vorliegen. Das spart natürlich enorm viel Zeit", urteilt Christoph Feiel. Im Juni 2011 führte das Mozarteum das neue Produktionssystem ein. Dabei arbeiteten ToolsOnAir und das Wiener Handels- und Systemhaus AV Professional Hand in Hand, um das Panasonic- mit dem LiveCut-Equipment sowie den diversen Zubehörprodukten zu integrieren. Die Feuertaufe hat das System mittlerweile bestanden: Beim Orff-Symposium 2011 produzierte das Mozarteum an allen vier Tagen der Veranstaltung diverse Aufführungen, aber auch Tagungsveranstaltungen und setzte dabei abhängig vom Event zwei bis vier Kameras ein. "Dabei haben wir fünf Terabyte an Live-Daten gesammelt und waren mit der Performance des Systems sehr zufrieden", resümiert Christoph Feiel.

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